Expertentipps für Strategische Teamklausuren

 

4 Betriebsratsvorsitzende geben Auskunft, was für strategische Teamklausuren zu beachten ist.

Wir haben (stellv.) BR-Vorsitzende nach ihren Erfahrungen mit strategischen Teamklausuren gefragt.


 

Um Ihnen einen praxisnahen Einblick in die Arbeit mit strategischen Teamklausuren zu gewähren, haben wir uns an vier erfahrene Betriebsratsvorsitzende gewandt und sie darum gebeten, die folgenden Fragen möglichst kurz und knapp zu beantworten:

1. Wie haben sich Ihre Strategie-Klausuren für Sie und Ihr Team ausgewirkt? 
2. Worauf sollten andere Teams bei der Planung und Durchführung von strategischen Teamklausuren besonders achten?

 

Die Antworten, die wir daraufhin erhalten haben, können Sie hier lesen:

 

1. Ida Schoenherr

Betriebsratsvorsitzende BASF Service Europe GmbH

 

zur 1. Frage – Auswirkungen:

Wunderbar – eine hervorragende Art für das Zusammenkommen, Erarbeiten gemeinsamer Werte und gegenseitiges Verstehen und akzeptieren. Es ist schön, zu erleben, wie diverse Teams tragfähige Ergebnisse erarbeiten können und sich vertrauen.

zur 2. Frage – wichtige Punkte:

Auf die Referenten. Für mich ist es wichtig, dass alle Teammitglieder die Referenten vor der Klausur kennenlernen – hier muss die Chemie stimmen. Sonst wird’s nichts mit der Strategie.
Referenten müssen mitdenken, einbeziehen und notfalls einheizen. Impulsgeber sein, ohne zu missionieren. Nicht stur die Agenda abarbeiten, sondern wenn nötig, Nebenstraßen nutzen, heißt Flexibilität.
All das geht nur, wenn sie sich auf Menschen einlassen können.

 

2. Joachim Nowak

Betriebsratsvorsitzender INFRA Leuna GmbH

 

zur 1. Frage – Auswirkungen:

Als wichtigste Erkenntnis der Strategieklausuren ist festzuhalten, dass sowohl der Einzelne als auch das Team Betriebsrat in der Betrachtung der bisher geleisteten Arbeit und in der Gestaltung zukünftiger zentraler Projekte an Sicherheit gewinnt.
Des Weiteren erzeugt der im Dialog erfahrene Austausch von verschiedenen Perspektiven und Erwartungshaltungen eine objektive Einschätzung der Qualifikation und der Leistungsfähigkeit des Gremiums.
Daraus ableitend entsteht im Ergebnis eine strategische Ablauf- und Qualifikationsplanung mit entsprechenden Flexibilitäten in der zukünftigen Projektarbeit, individuell zugeschnitten auf die Leistungsfähigkeit und Motivation des Einzelnen und des Teams Betriebsrat.
Insgesamt kann abschließend festgehalten werden, dass durch die besprochene Verbindlichkeit der getroffenen Entscheidungen das Team als Einheit im Innen- und Außenverhältnis positiv wahrgenommen wird und dadurch einen nicht zu unterschätzenden Machtfaktor im Gefüge eines Unternehmens darstellt.

zur 2. Frage – wichtige Punkte:

Entscheidend für einen erfolgreichen und ergebnisorientierten Verlauf ist im Vorfeld das Einzelgespräch (Mitarbeitergespräch) …, um inhaltliche Schwerpunkte zu priorisieren, Neugier zu erwecken und eine Ablaufplanung zu entwickeln.
Eine weitere wichtige Frage ist die Rolle des Moderators zu definieren (intern/extern) und mit diesem den Ablauf, Inhalt, Zielstellung abzustimmen.
Eine wichtiger Aspekt ist die aktuelle Team- und Qualifikationsstruktur. Ist sie so konfiguriert, dass konstruktive inhaltliche Arbeit geleistet werden
kann oder sind bestimmte Grundvoraussetzungen in diese Königsdisziplin einzusteigen nicht gegeben? Eine One-Man-Show verträgt sich nicht mit einer Teamklausur.
Dritter Punkt ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Arbeitgeberseite als Grundlage strategischer Planung im Betriebsrat und dementsprechend das Grundverständnis der Komplexität unternehmerischen Denkens.
Die strategischen Ziele des Unternehmens sollten bekannt sein, um daraus die mitbestimmungsrelevanten Handlungsfelder des BR abzuleiten.
Eine weiterer Erfolgsfaktor ist natürlich eine positive Einstellung und eine humorvolle und lockere Atmosphäre bei der Durchführung der Klausur, insbesondere der Führungskräfte im BR.

 

3. Randy Rheindorf

stellv. Betriebsratsvorsitzender Covestro AG am Standort Leverkusen

 

zur 1. Frage – Auswirkungen:

Äußerst positiv! Die Strategie-Klausuren für den Covestro Betriebsrat am Standort Leverkusen, sowie des Gesamtbetriebsrats waren notwendig, um sich der ganz eigenen, zum Teil neuen Rolle im Gremium bewusst zu werden. Trotz der unterschiedlichen Sichtweisen aus den verschiedenen Standorten, verbinden uns gemeinsame Werte und Ziele, um für unsere Kolleginnen und Kollegen das Beste zu erreichen.

zur 2. Frage – wichtige Punkte:

Genug Zeit einplanen und insbesondere Freiraum lassen, um Themen bzw. Ziele auszudiskutieren. Eine strategische Teamklausur bietet die Möglichkeit zur Grundsteinlegung einer wertschätzenden und vertrauensvollen Feedbackkultur innerhalb eines Teams. Diese Gelegenheit muss man definitiv nutzen!

 

 

4. Armin Krück

zur 1. Frage – Auswirkungen:

Ich habe unsere Klausuren genutzt, um mal die „Stop-Taste“ im Tagesgeschäft zu drücken und mich mal zu fragen, warum wir was und wie tun. Unsere Strategieklausuren haben uns geholfen, die Themen die wir bearbeiten strukturierter anzugehen. Wir haben die Arbeit im Betriebsrat noch besser nach unseren Stärken und Wünschen aufgeteilt. Wir erarbeiten jetzt zu Beginn unserer Aufgaben/ Projekte gemeinsame Ziele,  verfolgen diese besser und versuchen alle Maßnahmen und Aktionen an diesen Zielen zu messen.

zur 2. Frage – wichtige Punkte:

Aus meiner Sicht ist die Vorbereitung ganz wichtig. Man muss sich als Führungsteam Gedanken darüber machen, was man mit dem Team erreichen möchte – das sollte man mit dem Team dann auch diskutieren. Auch die Teilnehmer sollten darauf vorbereitet werden – damit ganz ohne Tabus gesprochen werden kann. Der Ort sollte gut gewählt sein, schließlich muss man ungestört über die Strategie eines Teams sprechen können. Aus meiner Sicht lässt sich auch auf gute Unterstützung durch externe Moderation nicht verzichten – wenn man selbst als Teammitglied moderiert, ist man nicht richtig an der Arbeit des Teams beteiligt.

 

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Teamklausuren und strategischen Treffen in ihrem Team gemacht? Teilen Sie mit uns Ihre Erfahrungen!

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Von |2017-08-01T09:59:56+00:006 Juni 2017|Kategorien: Allgemein|Tags: , , |

Über den Autor:

Ich bin Dr. Sascha Weigel, einer der Begründer vom Strategischen Dialog, und blogge hier von Zeit zu Zeit über Themen, die mir bei meiner Arbeit begegnen. Gib' mir gern Feedback und teile den Beitrag, wenn er Dir gefallen hat.

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