Autor: Victor Hering

Und dann kam Corona # 3 – Zurück in die Zukunft? Onboarding nach Corona – neue Welt, neue Konflikte? Neue Lösungen? – Überlegungen für die Rückkehr ins Unternehmen

In der Pandemie sind Teams der Not gehorchend über Nacht ins Homeoffice geschickt worden und ihre Führungskräfte staunten, wieviel selbstverantwortlicher die Mitarbeiter arbeiteten, als ursprünglich angenommen. Viele Kollegen lernten zum ersten Mal die Zusammenarbeit via Skype, Zoom oder TEAMS kennen. Aber, was am Anfang aufregend war, ist inzwischen unter Umständen ermüdend. Es gibt eine neue Sehnsucht, wieder ins Unternehmen zu kommen, ebenso wie es auch den Wunsch gibt, auf immer mobil und ortsunabhängig zu arbeiten. So können neue Konflikte in Teams, entstehen.

„Wenn Corona vorbei ist…“, haben zu Beginn viele angenommen, ginge es weiter wie vorher: 09.00 – 17.00 Uhr Anwesenheit im Unternehmen. Inzwischen haben wir 1,5 Jahre neue Erfahrungen gesammelt. Im Mai 2021 arbeiteten ca. 10 Mio Beschäftigte in Deutschland im Homeoffice. Das sind fast 30%. Jetzt scheint die Pandemie vorbei und die Überlegungen sind: Wie machen wir jetzt mit Homeoffice weiter? Fünf Tage im Büro wird es kaum wieder geben – oder? Es bahnen sich Umbrüche und Veränderungen im Mix zwischen Anwesenheit und mobilem Arbeiten an, die einen Raum zum Durchdenken und Entwickeln von guten Lösungen brauchen. Gleichzeitig gibt es u.U. neue und unbekannte Reibungen und Konflikte zwischen den Beschäftigtengruppen die von Zuhause gearbeitet haben, die In Kurzarbeit waren und die im Unternehmen anwesend waren. Allen MA gemeinsam ist die Erfahrung von Lockdown, Cocooning durch Ausgangssperren, Besuchsbeschränkungen ect. Da sind drei „Welten“ und drei „Kulturen“ von Mitarbeitern entstanden, die jetzt wieder zusammenfinden müssen: 

  • Anwesende Mitarbeiter im Unternehmen: Sie haben scheinbar ihren Job wie sonst gemacht, aber nur scheinbar, denn sie waren genauso konfrontiert mit den Hürden der Pandemie, Veränderungen im Unternehmen, Isolation und Unsicherheit im täglichen Umgang (Schichtdienst, Abstand, Hygiene usw.). Neidvolle Blicke auf die Kolleg*innen im Homeoffice und Kurzarbeit waren keine Seltenheit.
  • Mitarbeiter in Kurzarbeit: Ihnen wurde zum Teil, von denen die anwesend waren, zugeschrieben, bezahlten Urlaub zu machen. Das bringt unter allen Umständen Konfliktpotenzial mit sich.
  • Mitarbeiter im Homeoffice: Haben ihre Kolleg*innen nur über den Computer gesehen, zum Teil auch nur gehört, wenn die Kamera aus war. Soziale Kontakte und „Türrahmengespräche“ fielen weg. In der informellen Informationskette waren sie zum großen Teil abgehängt. Oft gab es auch die Doppelbelastung im häuslichen Umfeld durch die parallele Betreuung von Kindern, Homeschooling oder anderen pflegebedürftigen Personen. 

Die Zeit der Pandemie war vor allem auch für alleinstehende MA schwierig. Zum Teil haben Sie wochen- und monatelang nicht mehr als eine handvoll Menschen um sich gehabt. Das stellt eine hohe psychische Belastung dar. Es ist nicht hilfreich, wenn sie jetzt von heute auf morgen einfach wieder zurück ins Unternehmen kommen. Wir empfehlen in jedem Fall einen langsamen schrittweisen Prozess der Rückkehr ins Unternehmen. Was müssen jetzt Führungskräfte, HR, Betriebs- und Personalräte tun, um diese drei „Welten“ wieder zusammenzubringen? Hier ein Monitor (Download hier), mit dem wir im Moment gute Erfahrungen als Grundlage in Teamdialogen machen:

Zurück ins Unterenehmen – was muss beachtet werden? Was ist kritisch? Was läuft von selbst? Was können HR und BR tun,
um Ängste abzubauen?
Diese ersten Tage sind ideal für einen informellen Austausch, für neue Motivation und um Danke zu sagen, dass die Mitarbeiter diese schwierigen Zeiten gemeinsam durchgestanden haben. Alle Mitarbeiter auf einen Stand bringen – Wie gelingt das schnell und gut? Zeit, Kommunikationsstrategien zu überdenken. Aufwertung: Das Büro wird zum

„Platz für bewusste Zusammenarbeit und interaktiven Austausch“.

Neue Führungskultur musste gelebt werden,
denn in der Krise ist deutlich geworden,
dass modernes Führen „Moderation statt Kontrolle“ heißt und das Einräumen von Freiräumen, anstatt Restriktionen erfordert. Daher lautet unsere Empfehlung, dieses Mindset eines vorwärts gewandten und auf Vertrauen setzenden Führens nach der Krise positiv zu implementieren. (Quelle)
Die Rolle der Führungskräfte bei der Rückkehr ins Büro ist von zentraler Bedeutung. Wahlfreiheit möglich?: Büro oder Homeoffice! Eigenverantwortung der Mitarbeiter:

  • Wenn es mir morgens schlecht geht, bleibe ich zu Hause – Akzeptanz durch die Führungskraft wichtig!!
  • Distanz halten
  • ausreichende Desinfektion
  • Maske tragen
  • Hände waschen
Fahrplan erstellen: Was brauchen Mitarbeiter und Führungskräfte, um wieder gut im Büro Arbeit zu können?
Umfrage unter den MA zur Rückkehr ins Büro oder Homeoffice. Wie läuft derzeit die Kinderbetreuung, Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger oder kranker Familienmitglieder ab? Ist die Aufnahme des „normalen“ Alltags wieder unproblematisch möglich? Balance zwischen Homeoffice-Tagen und Büro-Tagen schaffen = hybride Arbeitsmodelle etablieren = Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber!
Die Aufmerksamkeit auf Selbstfürsorge und mentales Wohlbefinden lenken. Welche Umsetzungsmöglichkeiten gibt es dafür? Ansteckungsgefahr noch nicht gebannt! Ängste der Mitarbeiter durch entsprechende Maßnahmen auffangen. Verfügbarkeit einer Impfung prüfen (Betriebsarzt)
Ängste der Mitarbeiter erst nehmen. Eigene gesundheitliche Probleme der Mitarbeiter, mglw. durch eigene Coronaerkrankung, kennen und Fürsorge tragen. Hygieneprotokolle für das Büro erstellen sowie umfassende Reinigung in der Nacht (60 %) und ausreichend Handdesinfektionsstationen installieren.
Ressourcen und Lösungen zur Unterstützung der Mitarbeiter im Vorfeld sichtbar machen. Flexibilität für die Mitarbeiter geht verloren. Verfügbarkeit von Antikörpertests.
Persönliche Gespräche mit Mitarbeiter führen, Einzelschicksale hören und verarbeiten. Begrenzung der Anzahl von Mitarbeitern im Gebäude durch Staffelung der Stunden oder Tage.
Vertrauen schaffen. Regierungsrichtlinien veröffentlichen, die bestätigen, dass es in Ordnung ist, an den Arbeitsplatz zurückzukehren
Vorgaben der Regierung umsetzen.
Umsetzung von:

  • Begrenzung der Mitarbeiter im Büro
  • tägliche Reinigung/Desinfektion
  • Schichtarbeit?
  • Sperrung aller Gemeinschaftsräume – Alternativen schaffen
  • zeitversetzte Mittagspausen
  • Trennwände zwischen den Schreibtischen
  • Impfpflicht
  • Maskenpflicht

Weiterführende Studien

Download

  • Vier von zehn Büroarbeitern bevorzugen nach der Pandemie einen festen Arbeitsplatz im Einzelbüro, ins Großraumbüro will kaum jemand. Jeder Achte möchte künftig ausschließlich im Homeoffice oder mobil arbeiten. Link
  • Ergebnisse der IHK-Umfrage „Home Office – neue Normalität oder zurück zur Präsenzkultur?“. Link
  • Homeoffice ist in der Corona-Krise für viele zur täglichen Realität geworden. Welche Möglichkeiten die mobile Arbeit bietet und welche Risiken entstehen, erforscht die Hans-Böckler-Stiftung bereits seit vielen Jahren. Unsere wichtigsten Studien und Erkenntnisse im Überblick. Link
Von |2021-06-10T10:27:23+00:0010 Juni 2021|Kategorien: Allgemein|

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